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Berufliche Bildung in Deutschland steht vor großen Herausforderungen

In einem Rundbrief zum Beginn des neuen Schul- und Ausbildungsjahres an die Landesverbände des Bundesverbands der Lehrkräfte für Berufsbildung – Die Berufsbildner – skizzieren die beiden Bundesvorsitzenden Pankraz Männlein und Dr. Sven Mohr die aktuellen Herausforderungen der beruflichen Bildung, die von dem Management der Coronapandemie bis hin zur Digitalisierung reichen. Dabei gehen sie vom Bildungsauftrag der beruflichen Schulen aus, der darin besteht, „mit den beruflichen Bildungsgängen die Potentiale der jungen Menschen zu erschließen und sie bestmöglich für ihren beruflichen und privaten Lebensweg vorzubereiten“.

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Das Mantra der Kultusminister, dass Schulen keine Treiber der Infektion sind, hält für die Politik als Argument weiterhin Stand, einzig auf die AHA-L-Regeln zu setzen und jede weitere gesundheitliche Schutzmaßnahme kategorisch auszuschließen. Luftfilter in den Klassenräumen? Fehlanzeige. Distanzunterricht zur Reduzierung der Kontakte sowie Minimierung der Ansteckungsgefahr findet nur unzureichend statt. „Die Inzidenzzahlen von teils über 6000 bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen werden billigend in Kauf genommen, die Durchseuchung gesellschaftlich hingenommen – ohne allerdings mögliche Long-Covid-Folgen mitzudenken“, sagt Joachim Maiß, Vorsitzender des Bundesverbandes der Lehrkräfte für Berufsbildung (BvLB).
Wenn jetzt sogar Virologe Christian Drosten eindeutige Befunde vorlegen kann, dass Übertragungen im Moment aus dem Schulbetrieb gespeist werden, „wäre die Politik gut beraten, endlich auf die Wissenschaft zu hören und flächendeckend Hochleistungsluftfilter in jeden Klassenraum und nicht nur in die Ministerialbüros zu stellen. Gleichsam müssen die Schulleiter:innen der beruflichen Schulen die Entscheidungshoheit haben, flexibel auf das lokale Infektionsgeschehen schnell mit Distanzunterricht reagieren zu können“, sagt Maiß und betont: „Auch wenn die vierte Welle noch längst nicht den Scheitelpunkt erreicht hat, wird die lähmende Bürokratie in den nächsten Wochen keine Veränderung in den beruflichen Schulen herbeiführen. Entscheidender ist deshalb jetzt, auf den kommenden Herbst zu schauen und die Schulen im dritten Pandemiejahr endlich zu wappnen, um nicht von der fünften oder sechsten Welle überrollt zu werden.“
Angesichts der Tatsache, dass es keine tragfähigen Erkenntnisse gibt, welche Folgen durch Long-Covid bei Jugendlichen erwachsen, „ist es verantwortungslos, Corona einfach so weiter in den beruflichen Schulen grassieren zu lassen. Es kommt immer häufiger zu Impfdurchbrüchen, so dass selbst Geboosterte positiv getestet werden, infektiös sind und das Virus weitertragen. Die weitere Augen-zu-und-durch-Taktik ist angesichts täglich neuer Inzidenzrekorde kein gangbarer Weg mehr für die Berufsbildner. Wir brauchen einen Plan B, der es uns ermöglicht, den kommenden Virus-Mutanten als Schule zu trotzen“, sagt Maiß.

www.bvlb.de

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Keine Schüler, keine Fachkräfte, darbende Wirtschaft, schwindende Steuereinnahmen, Wegbrechen des Lebensstandards in der Fläche: Das ist der vorgezeichnete Weg, auf den sich die Gesellschaft längst begeben hat. Die Gründe dafür sind vielfältig. Die Bewerberzahlen nach Ausbildungsplätzen gehen stetig zurück. Infolgedessen nimmt der Schülerschwund an den beruflichen Schulen zu. Das bedroht zunehmend kleinere Schulstandorte im ländlichen Raum, weil die Vorgaben für Klassengrößen nicht mehr erreicht werden können. Was zur Folge hat, dass Ausbildungsbetriebe in diesen Regionen keinen Nachwuchs mehr finden – eine Spirale, die sich immer schneller nach unten dreht. „Um diesem Automatismus mit all seinen Folgen für den ländlichen Raum auszuhebeln, müssen die Vorgaben für Klassengrößen jetzt im ersten Schritt deutlich nach unten justiert werden. Wichtiger ist aber, flexible Lösungen bis hin zu Kooperationen zwischen einzelnen Schulstandorten zu erarbeiten, Lerninhalte durch digitale Unterrichtsformate zu transferieren, um so die Grundversorgung in der Fläche aufrecht zu erhalten“, sagt Joachim Maiß, Vorsitzender des Bundesverbandes der Lehrkräfte für Berufsbildung (BvLB).
Das gilt umso mehr, da Corona die Lage weiter verschärft hat. Denn seit zwei Jahren findet im Grunde viel zu wenig Berufsorientierung statt. Schulpraktika wurden und werden nach wie vor allzu oft ausgesetzt. Weshalb junge Menschen mit Blick auf eine mögliche Ausbildungswahl zögerlich sind.Berufliche Bildung ist Wirtschaftsförderung in der Fläche. „Um diese Aufgabe auch zukünftig in Wohnortnähe qualitativ hochwertig gewährleisten zu können und damit die Regionen wirtschaftlich attraktiv zu halten sowie gesellschaftlich zu stärken, ist es zwingend notwendig, dass alle für die berufliche Bildung zuständigen Akteure miteinander Lösungen finden, um langfristig der vorgezeichneten Entwicklung begegnen zu können. Auch mit Blick auf die Entwicklung neuer Berufsfelder muss es möglich sein, agiler zu agieren und mit geringen Schülerzahlen eine zukunftsgerichtete Ausbildung wohnortnah anbieten zu können“, sagt Maiß und verweist auf das BvLB-Positionspapier „Fachkräftesicherung durch die berufsbildenden Schulen“, das alle wichtigen Impulse zur Zukunftssicherung beinhaltet.

Hier der Link zum Positionspapier: Ziele & Positionen - BvLB Bundesverband der Lehrkräfte für Berufsbildung e.V.

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Die gerade von Prof. Klaus Klemm erstellte Studie „Entwicklung von Lehrkräftebedarf und -angebot in Deutschland bis 2030“ zeigt, dass der Lehrkräftebedarf in den nächsten Jahren noch viel dramatischer sein wird, als von der Kultusministerkonferenz (KMK) bislang angenommen. „Wir brauchen auch für den Bereich der beruflichen Schulen eine Initiative zur Lehrkräftegewinnung, da wir ansonsten Gefahr laufen, dass sich die ohnehin schon unzureichende Unterrichtsversorgung noch weiter verschlechtert“, so der VLB-Landesvorsitzende Pankraz Männlein.
Laut der Klemm-Studie wird für den beruflichen Bereich bis 2030 ein Einstellungsbedarf von rund 50.000 Lehrkräften ausgewiesen. Diese Zahl ist umso dramatischer, wenn man weiß, dass der Mangel sich vor allem auf einzelne berufliche Fachrichtungen, wie z. B. Elektrotechnik, Informationstechnik, Metalltechnik oder Sozialpädagogik, konzentriert. Wie dieser gerade in diesen Fachrichtungen bestehende Bedarf gedeckt werden soll, bleibt offen!
Die beruflichen Schulen brauchen für den Unterricht hochspezialisierte und gut qualifizierte Lehrkräfte, die nicht von jetzt auf gleich verfügbar sind – die Vorlaufzeit der Ausbildung liegt bei rund 8 Jahren! Von daher müssen zeitnah neben der Stärkung der universitären Ausbildung alternative Wege in das Lehramt an beruflichen Schulen entwickelt, evaluiert und beworben werden. Dies muss gelingen, soll auch auf mittlere Frist die Leistungsfähigkeit des dualen Berufsausbildungssystems und damit der Bedarf an qualifizierten Fachkräften für die deutsche Wirtschaft sichergestellt werden. Gleiches gilt für den großen Bereich der beruflichen Vollzeitschulen, wie beispielsweise FOSBOS, Fachschulen, Fachakademien.

 

„Eine wichtige Gelingensbedingung, um mehr junge Menschen für das Lehramt an beruflichen Schulen zu begeistern, ist eine spürbare Steigerung der Attraktivität der Arbeits- und Beschäftigungsbedingungen an unseren beruflichen Schulen“, so Männlein abschließend.

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